Entstehung und Motivation
Mit der Ausstrahlung im Mai 1997 begann der große Hype der Manga- Animeszene in Deutschland. Eine der Fans dieser „ersten Generation“ (ich weiß, dass es bereits schon davor Manga-Fans gab, aber sie nahmen in der Regel keinen öffentlichen Raum ein).war meine älteste Tochter (damals gerade 5 Jahre alt). Seit dem Zeitpunkt der Ausstrahlung folgte eine Serie auf die andere und alle waren sehr erfolgreich. Damals verfolgte ich nur indirekt das Geschehen und glaubte wie die meisten Eltern, dass es sich nur um eine kurzfristige Modeerscheinung handeln würde, die sich bald überlebt haben würde. Zu meinem Erstaunen wurde ich eines Besseren belehrt. Meine Tochter, nun zwölf Jahre später, ist immer noch Fan und ein Ende ist nicht in Sicht. Dies gilt genauso für die größte Zahl ihrer Freunde und Freundinnen aus der Szene. Diese Langlebigkeit ist ein Grund für mein Interesse an eben dieser Peergroup. Ein weiteres Merkmal dieser Community scheint die Aufgeschlossenheit, Neugier und Kreativität ihrer Mitglieder zu sein.
Aber die Initialzündung zu meiner Forschung kam nicht über meine Tochter und deren Freunde und Freundinnen direkt, sondern indirekt über ein Seminar, dass ich an der Universität zu Köln im Fach Germanistik besuchte, welches von Frau Dr. Kerstin Schindler abgehalten wurde.
Dieses Seminar fand im Wintersemester 2007/08 statt und hatte den Titel „Jugendsprache“. Im Rahmen der Veranstaltung sollten wir eigenständig ein Projekt durchführen und ich griff auf die Freunde und Freundinnen meiner Tochter zurück. Das ursprüngliche Projekt sollte lediglich eine Verortung dieser Gruppe in die Peergroup-Landschaft der Stadt Neuss, unserem damaligen Wohnsitz, sein, d.h. die Jugendlichen haben mir die verschiedenen Peergroups in Neuss genannt, deren Merkmale aufgeführt um sie dann räumlich zu positionieren. Im Anschluss haben sie sich selbst eingeordnet. Hieraus ist dann ein Schaubild entstanden. Als jedoch kurz darauf in dem Seminar ein Text von Jannis K. Androutsopolus gelesen wurde und in diesem die These, dass Jugendsprache nur in bildungsfernen Schichten vorkommt (stark vereinfacht ausgedrückt) zum Ausdruck gebracht wurde, konnte ich mich dem nicht anschließen. Zur Unterstützung seiner These führte Androutsopolus eine Gruppe von Jugendlichen an, die in der Kirche organisiert waren. Dieser Auffassung konnte und wollte ich mich nicht so einfach anschließen, weil ich jeden Tag das Gegenteil live miterleben konnte, nämlich immer dann, wenn sich meine Tochter und ihre Freunde und Freundinnen trafen und über die Szene, Manga, Mangaka und Anime sprachen. Ich führte daraufhin ein Interview mit meiner Tochter, indem wir versuchten (auf sehr einfache Art und Weise) zu beweisen, dass dem nicht so ist. Das Ergebnis habe ich dann in mein Projekt mit aufgenommen und zunächst meiner Dozentin und im Anschluss auch im Seminar präsentiert.
Ab diesem Zeitpunkt hat mich der Gedanke an dieses Projekt nicht mehr losgelassen. Ich erkannte jedoch sehr schnell, dass das was mich interessierte nicht die sprachlichen Absonderheiten waren, sondern das meine Hauptinteressen vielmehr bei den Menschen, ihren Motivationen und ihren Charaktereigenschaften wie zum Beispiel Kreativität, Neugier, Offenheit für andere Kulturen, ihre Wille zur Globalisierung und Vernetzung, waren. Zudem wollte ich mehr über Historie, Strukturen, Aktivitäten, mediale Vernetzung und Zukunftsperspektiven erfahren. Auch nicht uninteressant waren für mich Fragen nach Bildung, Geschlechterverteilung und räumlicher Verteilung. Durch unseren Umzug von Neuss nach Rostock war es mir dann erst im November 2008 möglich mein Forschungsprojekt in die Tat umzusetzen und die Grundvoraussetzungen zu schaffen.
Dezember 2008 wurde mein Fragebogen fertig, der mit der sehr hilfreichen fachlichen Unterstützung meines Soziologieprofessors Prof. Dr. Matthias Junge noch optimiert werden konnte. Im Februar 2009 ging der Fragebogen mit Hilfe meines Ehemannes und eines sehr guten und langjährigen Freundes (Pehu, der auch diese Homepage erstellt hat) online.
Der offizielle Start des Projektes sollte eigentlich im März auf der Leipziger Buchmesse stattfinden, doch hat leider nicht geklappt.
Das Projekt hat dann seinen offiziellen Start auf Pummeldex ebenfalls im Februar 2009 gehabt. Es wurde sehr gut aufgenommen. Bereits im Juni 2009 konnte ich den Fragebogen schließen mit mehr als 2.500 verwendbaren Datensätzen. Parallel dazu führte ich von Februar bis Weihnachten 2009 noch ein Online-Forum, in dem insgesamt ca. 5.600 Beiträge eingestellt wurden (meine eigenen mitgezählt). Mit Abschluss des Forums begann die Auswertung der Daten und das Schreiben meines Buches, das bis Ende 2011 fertiggestellt sein soll.
Es wird populärwissenschaftlich sein und die Strukturen der Szene, die Motivationen der einzelnen Strukturelemente (Fans, Verlage, Mangaka, RTLII, Conventions/Buchmessen, DCM, Internetplattformen) beschreiben und deren Entwicklungstendenzen aufzeigen. Es werden hierbei die Fans in Form von Forumsbeiträgen, aber auch Interviewpartner aus der Szene wie einzelne Mangaka, der Geschäftsführer von Tokyopop Dr. Kaps oder auch die Verantwortliche für das Kinderprogramm von RTLII (vor der Entscheidung das Nachmittagsprogramm aufzugeben, was sie offensichtlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste) Frau Lang zu Wort kommen. Aber auch Organisatoren von Convention und der DCM haben ihren Beitrag geleistet. Es ist ein Szenebuch und kein reines Fanbuch und alle Bereiche (außer dem Merchandise) haben daran mitgewirkt.
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